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Einrichtungsstile / Moderner Minimalismus

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Moderner Minimalismus

wohnen_stilrichtungen_minimalismus_bild1Der moderne Minimalismus ist ein Einrichtungsstil, der sich in den vergangen Jahren mehr und mehr herauskristallisiert. Seine Anfänge hat er in den späten 1980er- beziehungsweise frühen 1990er Jahren. Der Opulenz und Überschwänglichkeit der wilden 70er und 80er Jahre mit ihren kreischend bunten Farben, psychedelischen Mustern und organischen Formen, setzten zunächst die Modedesigner – allen voran Giorgio Armani – einen Kontrapunkt, indem sie die Bekleidung auf ein cleanes Minimum reduzierten. Diese neue, kühle Ästhetik war geprägt von einer klaren Sachlichkeit, die durch zurückhaltenden Chic Stil und Klasse propagierte, ohne mit optischem Schnickschnack zu protzen. Diese Maxime übertrug sich auch immer mehr auf die Einrichtung der Modefans, bis diese Strömung ab dem Ende der 90er Jahre zu einem der wichtigsten Interior-Design-Stile wurde. Die vorherrschende Farbe ist dabei strahlendes Weiß – von jeher eine noble Farbe, da sich nur reiche Leute die aufwendige Reinigung leisten konnten, die der Ton aufgrund seiner Empfindlichkeit nur allzu oft fordert. Die Linien sind dabei sehr schlicht und schnörkellos. Im Extrem mündet der Minimalismus im Purismus, wobei die Wohnung und ihr gesamtes Mobiliar so reduziert wirken, als stehe man in einem White Cube einer Kunstausstellung. In den letzten Jahren wurde der schlichte Minimalismus allerdings gekonnt mit anderen Versatzstücken – etwa aus dem Bereich des Vintage-Looks, des Shabby Chics oder des Green Living – individuell kombiniert und bekam so eine ganz neue persönliche Wärme.

Klare Linien

Klarheit ist die oberste Prämisse des modernen Minimalismus. Er geht zurück auf die 1940er Jahre in London und New York, als alte Lagerhallen zu Wohnungen – den sogenannten Lofts – umgebaut wurden. Bereits damals waren schlichte Formen und klare Linien schwer angesagt. Man fühlt sich dadurch teilweise stark an den in Deutschland entstandenen und bis heute international ungemein verehrten Bauhaus-Stil erinnert. Bis heute hat dieser Einfluss auf den Minimalismus als Einrichtungsstil.
wohnen_stilrichtungen_minimalismus_bild3Manch einer könnte bei dem sehr puristischen Design vermuten, dass sich der Besitzer aus Geldsorgen derart spartanisch einrichtet – doch weit gefehlt. Gerade dadurch, dass einzelne Möbelstücke, wie zum Beispiel eine weiße Ledercouch, den ansonsten recht leeren Raum beherrschen, müssen diese in ihrer Qualität umso mehr überzeugen. Erst als Solitär können solche Objekte ihre Wirkung entfalten. Minimalistische Schränke haben oft rein weiße Fronten ohne sichtbare Griffe und wirken wie eine Wand. Der Blick soll durch nichts von der klaren Form abgelenkt werden. Auch Küchenzeilen in modern minimalistischen Räumen erscheinen wie aus einem Guss und unterwerfen sich in ihrem Design lediglich dem Bauhaus-Slogan „form follows function“.
Als schlichte Dekoration dienen zum Beispiel Vasen mit einer einzelnen Orchidee, die in ihrer Reinheit das Gesamtkonzept der Wohnung unterstreicht. Auch Accessoires aus Metall, wie Schüsseln oder Lampen, die die gewollte Kühle und das Weiß in seinem Strahlen unterstreichen, sind willkommen. Als Material dienen die verschiedensten Stoffe von Holz über Metall und Kunststoff bis hin zu Leder, Baumwolle und Glas. Allerdings spielt der Werkstoff dabei eine eher untergeordnete Rolle – viel wichtiger sind seine Form und Klarheit.

Spannende Brüche schaffen

Über Geschmack lässt sich bekanntlich vortrefflich streiten. Der pure Minimalismus wirkt einigen zu kühl. Sein großer Vorteil ist aber, dass er durch seine abstrakte Sachlichkeit nahezu unendliche Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Einrichtungsstilen bietet, die ihm einen komplett neuen und individuellen Look verpassen. Ein reich verzierter Louis-XIV.-Sessel bringt zum Beispiel einen Hauch Barock in die Wohnung und fügt sich harmonisch ins Bild. Auch ein verschnörkelter Spiegel wird in puristischer Umgebung zu einem echten Blickfang. Die ansonsten geradlinigen Möbel lenken die Aufmerksamkeit genau auf dieses Highlight.

wohnen_stilrichtungen_minimalismus_bild2Gleiches gilt für den Einsatz von Farben und Mustern: Eine Kommode in einer knalligen Farbe wie Türkis setzt einen Farbakzent, der sofort die stilistische Raumtemperatur erhöht. Eine Mustertapete wirkt ebenso aufregend und schafft einen spannenden Gegensatz zur ansonsten schlichten Einrichtung. Auf diese Weise unterstreichen sich beide Stile gegenseitig. Auch ein organisch geschwungener Stuhl, wie zum Beispiel der weltbekannte Panton Chair, wicht die harten Linien des Minimalismus auf und schafft einen harmonischen Gegenpol.
Auch ein Sofa im sogenannten Shabby Chic kann zu einem passenden optischen Reiz werden. Seine Schönheitsmakel sind dabei keinem Malheur geschuldet, sondern ausdrücklich so gewollt, um einen Used-Look zu schaffen. Ein starker Kontrast zum Minimalismus, der funktioniert. Man sollte diese gewagte Kombination unbedingt einmal ausprobieren. Auch Porzellan mit abgeplatztem Lack oder sichtbaren Kratzern ist wie gemacht für den Stilmix.
Da heutzutage viele Menschen auf einen nachhaltigen Lebenswandel Wert legen, werden viele Möbel oder Accessoires aus nachwachsenden Rohstoffen oder recycelten Materialien hergestellt. Dabei spielt es keine Rolle, welchen Einrichtungsstil man verfolgt. Es gibt sowohl Vintage-Möbel, die aufgearbeitet wurden, als auch minimalistische High-End-Sofas aus fairer Produktion.

Der moderne Minimalismus ist ein sehr beliebter Stil, der sich durch klare Formen und Schlichtheit auszeichnet. Er kann sowohl als Konzept der ganzen Wohnung dienen, wodurch diese für einige allerdings zu kühl wirkt. Der Minimalismus hat jedoch den Vorteil, dass er mit anderen Stilen hervorragend kombiniert werden kann und somit immer individuell und dadurch liebevoll erscheint. Also einfach Mut beweisen und losmixen.